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    Die "Kita Card" löst nicht das kurzfristige, stadtweite Versorgungsproblem!

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    Die "Kita Card" löst nicht das kurzfristige, stadtweite Versorgungsproblem!

    Stellungnahme ver.di-Betriebsgruppe KiTa Bremen zum Gutschein-Modell, der sogenannten „Kita Card“

     
    Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Kita Plätze wurde von einigen Trägern die Veränderung der Finanzierung von Betreuungsplätzen in die Debatte gebracht. Für die ver.di Betriebsgruppe KiTa Bremen positionieren sich hierzu Grit Wetjen, Mitglied der Bundestarifkommission und Toren Christians, Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Sozial- Kinder und Jugendhilfe und machen ihre Bedenken hinsichtlich einer überstürzten Systemumstellung deutlich.

    Das Gutschein-Modell löst das kurzfristige, stadtweite Versorgungsproblem nicht.

    • Das Modell leistet zur Lösung des bestehenden Problems keinen Beitrag. Kurzfristig schaffen die Gutscheine keine zusätzlichen Örtlichkeiten oder andere Kapazitätsausweitungen. Ein Gutschein baut keine Kita!

    • In einer Phase in der alle Kräfte für den Ausbau und die Einrichtung von Überbrückungslösungen gebündelt werden müssen, würde ein Systemwechsel notwendige Kräfte absorbieren und damit evtl. zügige Lösungen sogar behindern.

    • In den Debatten der letzten Monate ist deutlich geworden, dass eine der Ursachen für die Kita Krise der Wechsel in das Bildungsressort war, welche zu Verzögerungen führte. Hier nun denselben Personenkreis wieder mit Veränderungen von der Arbeit abzuhalten, sieht für uns wie Sabotage aus.

    • Bei einem Vergleich der Betreuungsquoten von Städten mit Kita Card (Hamburg) und ohne (Bremen) scheint das Kita Card Finanzierungsmodell zu keinen positiven Effekten zu führen. Im Jahr 2015 wurde in Hamburg für 43,3% der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz angeboten. In Bremen waren zum gleichen Zeitpunkt ohne Kita Card schon Plätze für 45% der 0-3jährigen Kinder in Betrieb. Ein beschleunigter Ausbau durch die Kita Card ist nicht zu erkennen.

    Als eine seiner ersten Amtshandlungen kümmerte sich Bürgermeister Carsten Sieling darum, den Kita-Bereich in das Bildungsressort zu überstellen. Mit dieser Zusammenlegung in ein Ressort soll eine engere Verzahnung der frühkindlichen Bildung und der schulischen Bildung erfolgen. Wie die Einführung von marktwirtschaftlichen Steuerungsmodellen dieses Ziel unterstützt, erschließt sich nicht. Die Arbeitsgrundlagen der Beschäftigten in den beiden Bildungsbereichen würden sich als Folge der Einführung der Kita Card auf Dauer weiter voneinander entfernen. Einen Austausch der Bereiche auf Augenhöhe fördert diese Planung nicht.

    Als verdi Kolleginnen und Kollegen verfolgen wir seit vielen Jahren die Probleme der Kolleginnen und Kollegen, welche in anderen Bereichen der Dienstleistungen im Gemeinwohl beschäftigt sind. Der Bereich der Altenpflege z.B. ist seit vielen Jahren den Gesetzen der Marktwirtschaft unterstellt, die katastrophalen Arbeits- und Zahlungsbedingungen in diesem Arbeitsbereich sind für uns kein Vorbild. Auch als Nutzer dieser Systeme sind wir von der Funktion nicht überzeugt.

    Die Einführung der Kita Card wird die Chance verhindern, Fachkräfte in ausreichender Menge für die zusätzlichen Einrichtungen zu finden. Der Wettbewerb der Träger wird zu einer Zunahme des Lohndrucks führen. Die Träger werden durch Tarifflucht versuchen, Kostenvorteile zu erreichen, um Marktanteile zu erhöhen oder zu halten. Die Lohnsenkungen, welche hierdurch befördert werden, werden das Arbeitsfeld beim Kampf um Fachkräfte nicht unterstützen. Aus unserer Sicht wird hierdurch mittelfristig auch die Qualität des Gesamtarbeitsfeldes bedroht, was nicht im Interesse von Kindern und Eltern liegt. Die Attraktivität der Berufe für Schulabgänger_innen wird gesenkt.

    Die Einflussmöglichkeiten sozialpolitischer Steuerung durch die Eröffnung von Einrichtungen werden durch das Modell Kita Card dauerhaft aufgegeben. Politik gibt bei dem Systemwechsel die kleinräumige Jugendhilfeplanung ab und macht sich von Bedarfsanmeldungen abhängig. Hierbei bleibt die Frage im Raum stehen, ob Eltern aus bildungsfernen Bevölkerungsschichten die Bildungsbedarfe ihrer Kinder im gleichen Umfang anmelden wie bildungsnahe Eltern. Sollte die Frage negiert werden, ist festzustellen, dass die Notwendigkeiten wie in den Pisa Studien ermittelt mit der Systemumstellung behindert werden. Die Ungleichheit von Bildungschancen würde verstärkt werden.

    Die Einführung der Kita Card würde die Privatisierung von KiTa Bremen, einem städtischen Eigenbetrieb, zwingend erfordern. Als Betriebsgruppe lehnen wir dieses ab.

    Aus Sicht der ver.di-Betriebsgruppe ist es jetzt Zeit, mit Hochdruck an der Beseitigung von Ausbauproblemen zu arbeiten. Hierbei ist es jetzt notwendig, dass schnell die Ausschreibungen für den Bau von neuen Kitas durch die zuständigen Gremien erfolgen. Durch Reformierungsideen wurde genug Zeit verloren.