Gesundheit und Soziales

    ORPEA Altenpflegekonzern will Mitbestimmung mundtot machen

    ORPEA-Konzern

    ORPEA Altenpflegekonzern will Mitbestimmung mundtot machen

    Verhandlung gegen gekündigte Betriebsräte am Donnerstag, 11.03.2021, in Osnabrück
    Demo vor der Diakonie in Berlin: Tür auf für Tarifverträge Astrid Sauermann ORPEA Altenpflegekonzern will Mitbestimmung mundtot machen


    Jüngst machte die Kündigung zweier Betriebsrätinnen in der konzerneigenen Residenzgruppe in Bremen Schlagzeilen, nun stehen zwei gekündigte Betriebsratsmitglieder in Osnabrück vor Gericht. In Bremen wie Osnabrück werfen die lokalen Pflegeheimbetreiber des europaweit agierenden ORPEA-Konzerns den gewählten Interessenvertreter*innen vor, Betriebsratssitzungen unentschuldigt ferngeblieben oder verspätet hinzugekommen zu sein. „Der Arbeitgeber bleibt allerdings jede plausible Begründung für die angestrebten fristlosen Kündigungen schuldig“, berichtet Michael Nacken, Rechtsvertreter der gekündigten Kolleg*innen. Der naheliegende Verdacht ist, dass ORPEA eigenständige Mitbestimmung verbieten will. Denn die Kündigungswelle steht zeitlich direkt nach der Absage einer vom Arbeitgeber gewollten Gesundheitsprämie. Die Betriebsräte hatten starke Bedenken gegen die Abstrafung kranker Beschäftigte durch die Prämie.

    Ein sich so und ähnlich wiederholendes Vorgehen des Konzerns sorgt seit Jahren europaweit für Entrüstung. „Aggressive Renditegewinne stehen bei ORPEA im Vordergrund. Dafür geht der Konzern über Leichen“, so Oliver Barth von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Weser-Ems: „Das ist nicht hinnehmbar, erst recht nicht, da sich dieser Konzern aus Sozialversicherungsbeiträgen und öffentlichen Geldern finanziert und Aufgaben kommunaler Daseinsvorsorge übernimmt.“ In Bremen werden die Verhandlungen durch Solidaritäts-Aktionen vor Ort und durch Beschwerdebriefe begleitet. In Osnabrück will man sich ebenfalls diesen Donnerstag, 11.03.2021, ab elf Uhr vor dem Arbeitsgerichtsgebäude in der Hakenstraße einfinden und protestieren.

    Der französische ORPEA-Konzern betreibt in ganz Europa sein Geschäft im Altenpflege- und Reha-Bereich. Seit Jahren befindet er sich unter den drei größten Pflegeanbietern Deutschlands. Europaweit ist er für schlechte Arbeitsbedingungen, seine rabiate Haltung gegenüber betrieblicher Interessenvertretung, Bespitzelung seiner Mitarbeiter*innen und Zerschlagung gewerkschaftlicher Organisierung bekannt.