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    Das kann sich doch echt sehen lassen

    Handel

    Das kann sich doch echt sehen lassen

    HAN­DEL (04/2019): Ma­ga­zin des Fachbereich Handel


    Wichtige Handelsthemen auf dem 5. ver.di-Bundeskongress in Leipzig

    Viele tausende Beschäftigte aus dem Einzel- und Großhandel haben mit ihren Streiks entscheidend zu den erfolgreichen Tarifabschlüssen 2019 beigetragen.  Wie berichtet, stehen als wesentliche Ergebnisse zweistufige Erhöhungen für 2019 und 2020 um insgesamt fast 5 Prozent. Dieses starke Engagement und auch der fortgesetzte Kampf gegen Tarifflucht und Tarifverweigerung durch Unternehmen wie Amazon spielten auf dem 5. ver.di-Bundeskongress in Leipzig in verschiedenen Beiträgen eine Rolle. Die Durchsetzung der Tarifbindung bei den Modeketten Primark, Esprit, Zara und beim Großhändler Selgros hob Stefanie Nutzenberger, Leiterin des ver.di-Bundesfachbereichs Handel, hervor.

    Beim Verkauf von Kaiser´s/Tengelmann an Rewe und Edeka kämpfte ver.di mit Erfolg für die Sicherung der Arbeitsplätze von rund 15.000 Beschäftigten sowie den Erhalt der Tarifbindung und der Mitbestimmung für mindestens fünf Jahre. Bei der Lidl-Lagerlogistik mit ihren 20 Standorten gelang es, den Wechsel zum Flächentarifvertrag für den Einzelhandel herbeizuführen.

    In einer Solidaritätsresolution für die real-Beschäftigten haben die Delegierten ihre Unterstützung im Kampf für einen sozialverträglichen Verkauf des Unternehmens zugesagt (siehe auch Seite 4). Solidarisch erklärten sie sich auch mit ver.di-Betriebsräten bei Aldi Nord, gegen die vor kurzem eine massive Diffamierungskampagne gestartet worden ist.

    »Um Lohndumping sowie Erwerbs- und Altersarmut entgegenzuwirken, sind allgemeinverbindliche Tarifverträge eines der wichtigsten Themen, heute und in Zukunft«, sagte Stefanie Nutzenberger, beim Kongress. Sie wurde in den Bundesvorstand wiedergewählt und ist dort für den Handel, Frauen- und Gleichstellungspolitik sowie Genderpolitik verantwortlich.

    Tarifbindung stärken

    Einen Riesenerfolg nannte sie es, dass in den Handelstarifrunden 2019 eine soziale Komponente durchgesetzt werden konnte. In den Tarifverträgen für den Einzel- und Großhandel wurden die Ausbildungsvergütungen überproportional angehoben. »Das kann sich echt sehen lassen«, so auch der Kommentar mehrerer Delegierter, als sie dies hörten: Im Handel wurden während der Tarifauseinandersetzung über 11.000 neue Mitglieder gewonnen.

    Der ver.di-Kongress fasste einige Beschlüsse, in die wichtige Anträge aus der ver.di-Bundesfachbereichskonferenz Handel eingeflossen sind. So geht es darum, die Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) der Tarifverträge zu erleichtern. Sie sollen wieder für alle Unternehmen verbindliche Mindestnorm werden. Das lehnen die Arbeitgeber im Handel jedoch strikt ab.

    ver.di fordert jetzt, dass gemeinsam von den Tarifparteien in den Tarifausschüssen eingebrachte AVE-Anträge dort nur mit Mehrheit abgelehnt werden können. Außerdem soll es möglich werden, dass nur eine der Tarifparteien den Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit beim Arbeitsministerium stellen kann und dieser bei einfacher Mehrheit als angenommen gilt.

    Die gesamte ver.di kämpfe dafür, dass die Tarifverträge im Einzelhandel allgemeinverbindlich werden, sagte der Nachfolger von Frank Bsirske, der neugewählte ver.di-Vorsitzende Frank Werneke, in seiner Grundsatzrede. In weiteren Beschlüssen werden die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf mindestens 12 Euro sowie Maßnahmen gegen den Missbrauch von Befristungen verlangt.

    In den ver.di-Gewerkschaftsrat, das höchste ehrenamtliche Gremium zwischen den Kongressen, wurden fünf Kolleginnen und ein Kollege aus dem Handel gewählt. Es sind Susanne Meister von real (Niedersachsen/Bremen), Silke Mayer-Seidler von Netto Großhandel (Rheinland Pfalz-Saarland), Gerhard Löpke von Karstadt Warenhaus (NRW), Rita Flietel von Hermes Fulfilment (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), Angela Schirmer von real (Bayern) und Gabriela Sold von Rewe (Rheinland Pfalz-Saarland). Susanne Meister ist vom Gewerkschaftsrat als eine der Stellvertreter* innen der neuen Vorsitzenden Martina Rößmann-Wolf berufen worden.

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    Inhalt aktuellen HAN­DEL (04/2019)

    • Das kann sich doch echt sehen lassen
      Wichtige Handelsthemen auf dem 5. ver.di Bundeskongress in Leipzig

    • Diskriminierung
      Die Arbeitgeber im saarländischen Groß- und Außenhandel blockieren einen akzeptablen Tarifabschluss.

    • Hängepartie
      Die geplante Veräußerung von real zieht sich hin. Rund 600 Betriebsräte erwarten Unterstützung von der Bundespolitik für einen sozialverträglichen Verkaufsprozess.

    • Moment mal!
      Siegmar Roder von der ver.di-Bundesfachgruppe Groß- und Außenhandel zum BAG-Urteil für den Anspruch auf Mehrarbeitszuschläge bei Teilzeitbeschätigung

      und
    • viele weitere Themen!

    Link: Zur aktuellen HAN­DEL (04/2019)