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    Flug FR6662 war der letzte

    Ryanair

    Flug FR6662 war der letzte

    Am Sonntagabend kam Flug FR6662 aus Fuerteventura in Bremen an. Ein trauriger Moment für die Beschäftigten, denn das war der letzte Flug der Ryanair-Basis in Bremen. Die Billigfluggesellschaft wird zwar auch künftig noch den Standort anfliegen, aber mit Crews aus dem Ausland. Für rund 90 Beschäftigte aus Bremen bedeutet das Aus der Bremer Basis eine ungewisse Zukunft. ver.di und zahlreiche Unterstützer rollten ihnen als Zeichen des Respekts den roten Teppich aus. Ryanair hat in den Medien wiederholt betont, den Standort wegen der gestiegenen Ölpreise zu schließen. Doch das Unternehmen bestraft damit auch die Streiks der Beschäftigten, die seit Wochen für bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag kämpfen und dafür erstmals in Deutschland am 12. September gestreikt haben. Am 28. September legten sie europaweit die Arbeit nieder, zusammen mit Ryanair-Beschäftigten in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden.

    1.000 Euro weniger Lohn bekommen die Kabinenbeschäftigten bei Ryanair als bei der Konkurrenz. Auf den Flügen sind sie ständigem Verkaufsdruck ausgesetzt. Sie werden mit Abmahnungen schikaniert, und wer nicht spurt, wird in die Zentrale nach Dublin zitiert. Hinzu kommen unsichere Beschäftigungsbedingungen, denn die meisten sind Leiharbeitnehmer*innen mit Kettenverträgen. Rund 700 Kabinenbeschäftigte der insgesamt 1.000 Beschäftigten in Deutschland betrifft das. ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle sagte dazu: Die Anzahl der Leiharbeitsverträge sei viel zu hoch. Die Beschäftigungen müssten schnellstens in unbefristete Arbeitsverhältnisse bei Ryanair umgewandelt werde. Möglicherweise geschehe das dann per Gesetz, denn da die Bundesagentur für Arbeit die aktuell fehlende „Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung“ der irischen Leiharbeitsfirmen Crewlink und Workforce bestätigt habe, müsse nun der Zoll ermitteln.

    Von Rynair erwartet ver.di, endlich mit einem verhandlungsfähigen Angebot an den Verhandlungstisch zu kommen. Zu den zentralen ver.di-Forderungen zählt eine deutliche Entgeltsteigerung mit existenzsichernden und planbaren Einkünften. Dazu gehört die Einführung eines Basisgehalts für alle Kabinenbeschäftigten. Und dazu gehört auch eine Mindeststundengarantie, anstatt bei Flauten ohne Einkommen freigestellt zu werden. Flugverspätungen müssten kompensiert werden. Und nicht zuletzt gehört auch die Einrichtung einer betrieblichen Interessenvertretung dazu. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings aus ver.di-Sicht momentan als „sehr, sehr zäh“. In wesentlichen Punkten gibt es Stillstand und Ablehnung von Ryanair. Der Billigfluganbieter sperrt sich gegen einen Betriebsrat und will das Thema Leiharbeit nicht thematisieren. Sozialplangespräche für die von der Schließung der Basis betroffenen Beschäftigten stoßen auf Widerstand. Es bleibt vermutlich weiterhin zäh.

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