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    So viel gab es schon lange nicht mehr!

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    So viel gab es schon lange nicht mehr!

    Der Bundesseniorenaussschuss informiert - Sozial Spezial (04/2016)

    Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
    natürlich freuen wir uns über die bemerkenswerten Rentenanhebungen in diesem Jahr. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch da, wo Licht ist, die zukünftigen Schattenseiten nicht übersehen werden dürfen. Das war der Grund, warum die BSA-Redaktion Judith Kerschbaumer, ver.di-Bereichsleiterin Sozialpolitik, bat, die diesjährige Rentenanhebung zu analysieren. Hier ihr brandaktueller Beitrag:

    Sozial Spezial (04/2016) ver.di Sozial Spezial (04/2016)  – So viel gab es schon lange nicht mehr!

    Eine gute Nachricht für Rentnerinnen, Rentner und alle, die es einmal werden wollen. Zum 1. Juli werden die Renten deutlich angehoben: In den alten Bundesländern (aBL) um 4,25 %, in den neuen Bundesländern (nBL) um 5,95 %. Eine Rente von 1.000 Euro erhöht sich damit in den aBL um 42,50 Euro, in den nBL um knapp 60 Euro.

    „Die diesjährige Rentenanpassung ist das stärkste Plus seit 23 Jahren. Die Rentnerinnen und Rent- ner profitieren damit unmittelbar von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, dem Wachstum der Wirtschaft und steigenden Löhnen. Die umlagefinanzierte Rente bewährt sich. Das ist eine gute Nachricht, gerade in Zeiten niedriger Zinsen.“ kommentiert Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die diesjährige Rentenanpassung.

    Gut so. Und weiter so. Dies zeigt, wie wichtig eine ordentliche Lohnentwicklung ist. Denn: Die Rente ist Spiegelbild des Erwerbslebens. Eine gute Lohnpolitik mit guten und deutlichen Zuwächsen ist die beste Rentenpolitik. Die Freude über die diesjährige Anpassung der Renten darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Rentenniveau dramatisch sinkt und für Viele Armut im Alter vorprogrammiert ist. Deshalb ist es richtig und wichtig, das Rentenniveau und die Altersarmut zum Schwerpunkt der Rentenkampagne des DGB und seiner Gewerkschaften zu machen und dieses Thema in den Bundestagswahlkampf 2017 zu tragen.

    Die Rentenanpassung 2016 spiegelt die positive Wirkung des Mindestlohns wider. Die Lohnsteigerung des Jahres 2014 zum Jahr 2015 (in den aBL 3,78 %; in den nBL 5,48 %), die für die Rentenanpassung relevant ist, berücksichtigt den zum 1.1.2015 eingeführten gesetzlichen Mindestlohn. Da in den nBL wesentlich mehr Entgelte auf das Niveau des Mindestlohns angehoben wurden, wirkt sich der Mindestlohn in den nBL auch stärker aus und führt damit auch zu einer höheren Anpassung. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Abstand zwischen den aktuellen Rentenwerten Ost und West zwar geringer geworden ist, die Kluft hingegen - knapp 27 Jahre nach dem Mauerfall - immer noch nicht überwunden ist. Deshalb ist es weiterhin wichtig, dass wir uns für die Umsetzung des ver.di-Modells zur Rentenangleichung einsetzen.

    Bei der diesjährigen Rentenanpassung kommt außerdem ein statistischer Sondereffekt aufgrund der Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) aus dem Jahr 2014 zum Tragen, der die anpassungsrelevante Lohnentwicklung bei der diesjährigen Rentenanpassung um rund einen Prozentpunkt steigert. Einfach ausgedrückt: Das, was bei der Rentenanpassung in 2015 nicht weitergegeben wurde, gibt es bei der Anpassung 2016 jetzt oben drauf.

    Die Einzelheiten der Rentenanpassung zum 1.7.2016

    Die Rentenformel beinhaltet neben der Anpassung an die Lohnentwicklung zahlreiche „Faktoren“, die mal rentensteigernd, mal kürzend wirken können (siehe Schaubild):

    • Der Entgeltfaktor gibt die Lohn- und Gehaltsentwicklung wider – und zwar des Jahres 2014 im Verhältnis zum Jahr 2015 (ohne 1-€-Jobs und unter Berücksichtigung der beitragspflichtigen Entgelte, die für die Einnahmesituation der Rentenversicherung entscheidend sind) und beträgt 3,78 % in den aBL und 5,48 % in den nBL.

    • Der Nachhaltigkeitsfaktor , der – ganz grob – das Verhältnis zwischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Rentner/innen widerspiegelt, ist in diesem Jahr positiv und wirkt sich mit rechnerisch + 0,18 Prozentpunkten steigernd auf die Rentenanpassung aus.

    • Der Beitragssatz-Faktor wirkt wegen der Beitragssatzsenkung zum 1.1.2015 von 18,9 % auf 18,7 % positiv, damit anpassungssteigernd und beträgt +0,26 %.
      (Anm.: Riester-Faktor und Beitragssatz-Faktor wurden gemeinsam als “Faktor Altersvorsorgeaufwendungen“ bezeichnet.)

    Die aktuellen Rentenwerte (aRW), der Gegenwert eines Entgeltpunktes (EP), betragen ab 1.7.2016:

    • aBL: 30,45 Euro (bis 30.6.2016: 29,21 Euro);
      das ist ein Plus von 1,24 Euro pro EP.

    • nBL: 28,66 Euro (bis 30.6.2016: 27,05 Euro);
      das ist ein Plus von 1,61 Euro pro EP.

    • Der aRW Ost beträgt damit ab 1.7.2016 94,1 % des aRW West (bis 30.6.14: 92,6 %).