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    Pflegekammer ohne Fingerspitzengefühl

    Pflegekammer Niedersachsen

    Pflegekammer ohne Fingerspitzengefühl

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Pflegekammer Niedersachsen für Formulierungen in Begleitschreiben zu ihren Beitragsbescheiden kritisiert und gleichzeitig großzügige Ausgaben für eine Netzwerkveranstaltung kopfschüttelnd notiert. „Uns erschließt sich nicht, dass gerade in der aktuellen Gemengelage wertvolle Mitgliedsgelder für den so genannten Winterempfang investiert werden“, schreiben Landesleiter Detlef Ahting und Fachbereichsleiter Joachim Lüddecke in einem Brief. „Statt Empfängen sollten alle Kräfte auf die Umsetzung der Maßnahmen, die in der konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen vereinbart wurden, gesteckt werden, das hilft der Pflege“, betont Ahting. Gleichzeitig hatte sich die Kammer gegenüber ihren Mitgliedern Aufgaben angemaßt, die glasklar gewerkschaftlich seien. Die von ver.di bei der Kammer eingeforderte Richtigstellung war ausgeblieben.

    Unter anderem schrieb die Pflegekammer ihren Mitgliedern, dass „auch in der Pflege eine starke, solidarische und vertrauensvolle Gemeinschaft Voraussetzung ist, damit die Pflegekammer für sie daran arbeiten kann, Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Pflegequalität zu verbessern.“ Hierfür habe die Kammer weder Mitspracherecht noch Zuständigkeit. „Mit solchen Formulierungen vermittelt man den Eindruck, als Körperschaft des öffentlichen Rechts in direkte Konkurrenz der verfassungsrechtlich geschützten Institution Gewerkschaft zu treten“, kritisiert Ahting. Die von ver.di bei der Pflegekammer eingeforderte und erhoffte Richtigstellung gegenüber den Kammermitgliedern war ausgeblieben.

    ver.di wolle auch in Zukunft alles tun, um die Situation in der Pflege zu verbessern und bleibt bei der grundsätzlichen Kritik: „Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeitrag sind keine Lösung – das zeigt sich auch im Moment wieder. Zahllose Mitglieder wenden sich täglich mit dieser Kritik an uns“, weiß Ahting. Das von ver.di vorgestellte Alternativmodell „Vereinigung der Pflegenden“ setze auf Freiwilligkeit. Ahting: „Das ist das, was die Pfleger*innen auch uns gegenüber energisch einfordern.“ ver.di fordert die Vollbefragung aller examinierten Pflegekräfte zur Pflegekammer. Die in Vorbereitung befindliche Befragung sieht nur eine repräsentative Zahl von ausgewählten Kammermitgliedern vor. Auch hier müsse aber die grundsätzliche Abkehr vom jetzigen Modell abgefragt werden.

    „Die Kammer agiert ohne Fingerspitzengefühl, ist unser Eindruck“, so Lüddecke. Das zeige sich auch bei der Einladung zu dem allzu aufwendigen Winterempfang. ver.di könne gut nachvollziehen, dass Politiker von CDU und FDP und evtl. auch die Sozialministerin der Veranstaltung trotz Einladung fernblieben. „Auch wir werden nicht teilnehmen, das kann man den professionell Pflegenden doch gar nicht erklären, die seit Wochen vergeblich versuchen, die Pflegekammer telefonisch zu erreichen“, meint der Fachbereichsleiter. In Richtung CDU sandte ver.di erneute Gesprächsangebote: „Lassen Sie uns gemeinsam diese Pflegekammer ehrlich evaluieren und dann verbessern“, schlägt Lüddecke vor.