Nachrichten

    Gewerkschaft will Zukunft statt Kahlschlag

    Wir bei GALERIA Karstadt Kaufhof

    Gewerkschaft will Zukunft statt Kahlschlag

    Verantwortliche informieren ver.di-Tarifkommission

    Die im Schutzschirmverfahren bei Galeria Karstadt Kaufhof gerichtlich bestellten Frank Kebekus als Sachverwalter und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz wollen am 25. Mai 2020 die ver.di-Tarifkommission Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) über ihre Pläne informieren.

    Dazu gehört auch die Zukunft von Karstadt-Sports, Karstadt-Feinkost, der Restaurants Le Buffet und Dinea, der Logistik und Reisebüros. Am Folgetag hat die Gewerkschaft ihre Bundestarifkommission (GKK) zu internen Beratungen eingeladen.

    "Wir erwarten von den Bevollmächtigten einen Zukunftsplan für die Warenhäuser statt Berechnungen, wie vielen Beschäftigten die Existenz geraubt werden soll", erklärte Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel. "Die Karten müssen offen auf den Tisch. Dazu gehört auch eine klare Positionierung des Eigentümers René Benko. Die Beschäftigten erwarten von ihm Zukunft statt Kahlschlag."

    Zuvor war bekannt geworden, dass tausende Stellen gestrichen werden sollen und beinahe jede zweite Filiale bundesweit von der Schließung bedroht ist.

    Die mit ver.di noch vor einem halben Jahr getroffenen tariflichen Vereinbarungen zum Gesundheitsschutz sowie zu Investitionen des Eigentümers müssten weiter zwingend und umgehend umgesetzt werden, "statt sich verantwortungslos vom Acker zu machen", so die ver.di.

    "Die Schieflage der Warenhäuser haben nicht die Beschäftigten verursacht, sondern vorrangig das Management mit Dr. Fanderl als CEO an der Spitze. Wenn Entlassungen anstehen, muss Dr. Fanderl als erster gehen", forderte Akman.

    Warenhäuser hätten nach wie vor eine Zukunft. Jetzt komme es darauf an, die Tradition der Warenhäuser modern zu denken. Der Schlüssel dazu sei ein Beteiligungsprozess unter Mitwirkung der Beschäftigten.

    Man habe den Eindruck, "dass Manager und Berater sich seit Jahren in den Chefetagen die Klinke in die Hand geben und Millionen kassieren, ohne wirklich für eine Zukunft des Geschäfts und mehr Umsatz zu sorgen. Gleichzeitig rackern sich die Beschäftigten ab und wurden immer wieder zur Kasse gebeten".

    Shutdown und Corona vorzuschieben, um sich durch massenhafte Schließungen und Entlassungen gesundzustoßen, sei durchsichtig und weit weg von einem Zukunftskonzept für die Warenhäuser. Politiker in Bund, Land und Kommunen müssten jetzt ihren Einfluss geltend machen, um ein Sterben vieler Innenstädte zu verhindern und die Arbeitsplätze zu erhalten, forderte die Gewerkschaft.

    Bereits nach den ersten Medienberichten zum Ende der vergangenen Woche stießen die Planungen des Managements auf Empörung und Unverständnis bei den Beschäftigten und im Fachbereich Handel der ver.di.

    "Das ist brutal! Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen", wirft Stefanie Nutzenberger, das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied der ver.di, dem Handelskonzern vor. Konkrete Zahlen halte das Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit zurück.

    "Wenige Wochen nach der tairfvertraglichen Zusicherung von Ende 2019 kommt jetzt die Umkehr und ein Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten. Eine Umsetzung dieser Planung hätte verheerende Auswirkungen auf die rund 35.000 Beschäftigten bei Galeria Karstadt Kaufhof und im Konzern", so Nutzenberger.

    Darüber hinaus habe dies mittelfristig aber auch Auswirkungen auf zehntausende Beschäftigte in den betroffenen Innenstädten und auf die Attraktivität der Städte selbst. "Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben", so Nutzenberger.

    Die ver.di-Tarifkommission sei mit dem Integrationstarifvertrag den richtigen Weg gegangen und habe von Anfang an darauf gedrängt, Konzepte gemeinsam mit den Betriebsräten und den Beschäftigten zu entwickeln, die die Zukunft der Standorte und der Arbeitsplätze im Mittelpunkt haben. Die Orientierung des Managements und des Generalbevollmächtigten sei dagegen die Folge einer fantasie- und verantwortungslosen Haltung in der Geschäftsleitung.

    "Statt die Kompetenzen der zum Teil langjährig Beschäftigten zu nutzen, um gemeinsam frühzeitig ein Konzept für die Zukunft des Warenhauses zu entwickeln, ist die Geschäftsleitung auf ein Kürzungsprogramm zulasten der Beschäftigten umgeschwenkt", so Nutzenberger.

    In den kommenden Tagen wird die Arbeitnehmerseite über ihr Vorgehen beraten. Bereits jetzt kündigt ver.di eine harte Auseinandersetzung an. 

    Endlich Auswege aus der Krise zeigen!

    Statt zu motivieren und Auswege aufzuzeigen, wird über diffuse Hiobsbotschaften Angst und Schrecken verbreitet – und das zu einem Zeitpunkt, wo es gerade erst wieder losgehen soll.

    Das Management hat ebensowenig wie die im Schutzschirmverfahren tätigen Insolvenzfachleute etwas Konkretes zur krisenhaften Entwicklung zu sagen und vor allem hat es keine Erfolg versprechenden Zukunftskonzepte zu bieten.

    Man spielt Pingpong und verweist auf die jeweils anderen, wie auch der Mitarbeiterbrief zeigt. Und gerne nimmt man die Corona-Pandemie zum Vorwand, um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken.

    Es ist ein Armutszeugnis, wenn den Herrschaften wieder nichts anderes einfällt, als die Axt an die Personalkosten zu legen und mit Häuserschließungen zu drohen!

    Existenzsicherheit muss zur Perspektive werden!

    Gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat von Galeria Karstadt Kaufhof fordern wir von der Geschäftsführung eine Strategie, die die Existenzgrundlage des Unternehmens langfristig sichert und alle Arbeitsplätze erhält!

    Von einem hochbezahlten Spitzenmanagement und ebensolchen Wirtschaftsanwältinnen und -anwälten muss man etwas anderes erwarten können, als die stereotypen Worthülsen von „noch besser und noch konsequenter…“

    Sie müssen den Beschäftigten Existenzsicherheit verschaffen und das Unternehmen endlich positiv aufstellen. Beides gehört untrennbar zusammen!

    • ver.di verlangt sofortige Transparenz über die bisherigen Ergebnisse des Schutzschirmverfahrens, in das auch Karstadt Sports und Karstadt Feinkost einbezogen sind.

    • Die komplizierte Situation erfordert Klarheit und eine enge Einbindung der Interessenvertretungen der Beschäftigten – so wie es auch in den Tarifverhandlungen kurz vor Jahresende zugesichert worden war.

    • Insbesondere fordern wir auch die Einhaltung der Tarifverträge, in denen sich die Unternehmensleitung zu Standort- und Beschäftigungssicherung verpflichtet hat.

    • Tariflicher Schutz, Wertschätzung für die Beschäftigten und kluge, nachhaltige Geschäftskonzepte sind unverzichtbar für die Rettung des Warenhauses und die Existenzsicherung von über 30.000 Beschäftigten und ihrer Angehörigen!

    Alle Infos im Download