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    Tarifverhandlung Diakonie!?!

    Diakonie

    Tarifverhandlung Diakonie!?!

    Ihr habt richtig gelesen – eigentlich befinden wir uns zwischen zwei Tarifrunden. Die Letzte haben wir im Januar 2017 beendet und nächste beginnt im Winter 2018.

    Dennoch wurde am 5. September 2018 verhandelt. In der letzten Tarifrunde hatten wir einen Strauß von Themen: Neue Tabellenstruktur, Entgelterhöhung, Nachtzuschlag, Bereitschaftsdienst usw. Nicht alle Themen haben wir in der Tarifrunde abschließend behandelt, so dass wir uns mit den Arbeitgebern auf eine „Zwischenrunde“ verständigt haben. Also eine kleine Tarifrunde zwischen den Tarifrunden. Themen der Zwischenrunde waren:

    • Erziehungsdienstzulage für Erzieherinnen in der Jugendhilfe
    • Gruppenleiter in der WfbM
    • Eingruppierung Lehrkräfte in den Krankenpflegeschulen
    • Stufenzuordnung bei Einführung der neuen Entgelttabelle ab 1.1.2018
    • Bereitschaftsdienst im Krankenhaus

    Jugendhilfe
    In der letzten Tarifrunde haben wir eine verbesserte Eingruppierung für die Erzieherin in der Kita erreicht. Nun wollten wir, dass auch die Erzieherin in der Jugendhilfe eine Aufwertung der Tätigkeit erhält und haben eine Erziehungsdienstzulage gefordert. Das haben die Arbeitgeber aus prinzipiellen Gründen abgelehnt und lediglich eine teilweise höhere Bezahlung der Bereitschaftsdienstentgelte vorgeschlagen, sowie eine Verkürzung der Stufenlaufzeit in der Entgelttabelle. Dieses Angebot haben wir mit den Kollegen*innen der Jugendhilfe besprochen mit dem Ergebnis der eindeutigen Ablehnung: zu viele Kollegen*innen hätten davon nicht profitiert. Also: leider kein Ergebnis für die Jugendhilfe!

    Gruppenleiter in der Behindertenhilfe
    Wir wollten die Gruppenleiter*innen analog der Heilerziehungspfleger*innen höher eingruppieren. Die Arbeitgeber konnten ihre ablehnende Haltung gut begründen, sodass unsere Argumente nicht die erhoffte Wirkung zeigten und die Gruppenleiter*innen in den Werkstätten damit nicht unter die Aufwertung im Sozial- und Erziehungsdienst fallen.
    Also: Leider keine Aufwertung der Gruppenleiter*innen!

    Lehrkräfte an Krankenpflegeschulen
    Bereits in der letzten Tarifrunde haben wir auf die unbefriedigende Situation der Lehrkräfte an Krankenpflegeschulen hingewiesen und Verbesserungen gefordert. Die von den Schulen geforderten Abschlüsse (Master) und die Eingruppierung im öffentlichen Dienst haben sich weiterentwickelt, so dass die jetzige Eingruppierungspraxis des TV DN überhaupt nicht mehr passt. Das wollten wir nachvollziehen, damit auch zukünftig noch genug Lehrkräfte in unseren Krankenpflegeschulen vorhanden sind und dadurch Fachkräfte in diakonischen Krankenhäusern ausgebildet werden können.

    Obwohl das Thema bei jeder Verhandlung angesprochen und den diakonischen Krankenhäusern genug Zeit eingeräumt wurde, uns Vorschläge zu unterbreiten, haben sie dies nicht geschafft: in 22 Monaten kam kein einziger Vorschlag! Wir fragen uns, ob es Ignoranz, Arroganz oder Unwissenheit ist, mit der die Krankenhäuser die Fachkräftegewinnung aufs Spiel setzen.
    Also: leider kein Ergebnis für die Lehrkräfte der Krankenpflegeschulen!

    Anerkennung von Tätigkeitsjahren
    Mit Einführung der neuen Stufen der Entgelttabelle (Stufe 5 ab 1.1.2018) wurden die Beschäftigten der Entgeltgruppen 6 – 14 neuen Stufen zugeordnet. Die Stufen 80%/90%/95%/100% wurden umgewandelt in Stufe 1 (85%), Stufe 2 (90%), Stufe 3 (95%), Stufe 4 (100%) und Stufe 5 (102,5%) Diese Stufenzuordnung erfolgte unter Beibehaltung der bereits erworbenen alten Stufe. Allerdings müssen ggf. mehr Tätigkeitsjahre in einer Stufe zurückgelegt werden, um in die nächste Stufe zu gelangen. Nach der Umsetzung ist ein Problem zutage getreten, welches wir in dieser „Zwischenrunde“ auch lösen wollten: Bei allen, die sich während ihrer Tätigkeitsjahre weiterentwickelt, in der Hierarchie aufgestiegen sind oder auf verwandte Arbeitsfelder gewechselt haben, gibt es zwischen ver.di und Arbeitgebern einen Dissens, wie viele Tätigkeitsjahre anzuerkennen sind. In hoffentlich vielen Betrieben wird dies pragmatisch und vernünftig im Sinne eines wertschätzenden Umgangs mit den Beschäftigten gelöst. Die Rechtsposition des Arbeitgeberverbandes (DDN) lässt aber auch die Interpretation zu, dass eine Altenpflegerin, die zur PDL aufgestiegen ist, ihre Berufsjahre als Altenpflegerin nicht anerkannt bekommt. Der DDN war nicht bereit mit uns anhand von Beispielen eine gemeinsame Sicht auf Fallkonstellationen zu entwickeln, sondern setzt darauf, dass im Konfliktfall uns Arbeitsgerichte erklären, was wir gemeint haben.
    Also: leider kein Ergebnis hinsichtlich der gemeinsamen Sicht auf die Anerkennung von Tätigkeitsjahren!

    Bereitschaftsdienste im Krankenhaus
    Im letzten Tarifabschluss wollten wir die Belastung durch Bereitschaftsdienste im Krankenhaus verringern, indem wir den Freizeitausgleich attraktiver gestaltet haben. Kurz danach stellte sich allerdings in der betrieblichen Praxis heraus, dass eine vermehrte Gewährung von Freizeitausgleich (statt Auszahlung) zu massiven betrieblichen Engpässen führt. Es ist schlicht nicht genug Personal da. Daher hatten die Arbeitgeber nun ein Interesse, die Auszahlung des Bereitschaftsdienstes attraktiver zu machen, um so die Versorgung in den Funktionsdiensten oder dem OP aufrechterhalten zu können. Also: ein Ergebnis von einer Zulage von 15% des Stundenentgeltes bei Auszahlung der als Arbeitszeit aus Bereitschaftsdiensten gewerteten Zeit.

    Nach diesen Erfahrungen der Zwischenrunde müssen wir feststellen, dass gute Argumente und Vernunft nicht ausreichen, um notwendige Ergebnisse zu erzielen.
    Unsere Forderungen für die nun anstehenden „regulären“ Tarifverhandlungen werden wir zeitnah aufstellen.

    Wir müssen den Arbeitgebern dann zeigen,

    • dass wir unsere Forderungen ernst meinen.
    • Dass es Konsequenzen hat, wenn sie unsere Forderungen ignorieren.
    • Dass wir viele sind, und dass wir zusammen für unsere berechtigten, vernünftigen Forderungen erfolgreich und hartnäckig streiten!

    Im Namen der ver.di Verhandlungskommission
    Annette Klausing