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    Armutszeugnis für Politik und Hochschule

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    Armutszeugnis für Politik und Hochschule

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    Der erfolgreiche Studiengang Internationale Journalistik an der Hochschule Bremen wird allen Protesten zum Trotz dichtgemacht. Schon in diesem Wintersemester nimmt die Hochschule keine Studenten mehr für den Studiengang auf, der Ende Februar 2020 geschlossen wird. „Das ist ein Trauerspiel für den Wissenschaftsstandort Bremen und ein großer Verlust für die Journalistenausbildung“, kommentierten die Sprecher der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in verdi, Annette Rose und Matthias Büschking, die Entscheidung. Gleichzeitig sei es ein Armutszeugnis für die rot-grüne Politik und die Hochschule, so die Sprecher.

    Die Bildungsbehörde fordere von der Hochschule eine Million Euro Einsparungen und lasse es zu, dass das einstige Leuchtturmprojekt Internationaler Journalismus und auch der Studiengang Volkswirtschaft einer Konzentration auf soziale Arbeit geopfert werden.

    Die dju Niedersachsen/Bremen hält die Entscheidung auch aus anderen Gründen für fragwürdig. Der Akademische Senat (AS) der Hochschule hatte gestern mehrheitlich eine Eilentscheidung von Hochschulrektorin Karin Luckey gebilligt. Nur 11 von 21 Mitgliedern des AS waren anwesend. Sechs sollen mit Ja gestimmt haben, fünf mit Enthaltung und Nein. „Wir haben den Eindruck, dass noch vor dem beginnenden Wahlkampf in Bremen ruckzuck vollendete Tatsachen geschaffen werden sollten", so die dju-Sprecher.

    Auf die Ansage von Hochschulrektorin Luckey, alle derzeit Studierenden könnten ihr Studium unter dem bisher geltenden hohen Standard beenden, die Hochschule werde eine Qualitätsoffensive starten, reagierten die Studenten mit Skepsis. Sie hatten sich in den vergangen Monaten mit viel Engagement und Kreativität für den Erhalt ihrer Ausbildung eingesetzt, unterstützt auch von der dju Niedersachsen/Bremen. Von Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt hatte es jedoch kein Signal zur Überprüfung der Schließung gegeben. Stattdessen hatte die Senatorin bei einem Besuch in der Hochschule einem Studenten erklärt, dann müsse er eben woanders studieren. Die Mitglieder der Landespressekonferenz forderten in einer Resolution den Erhalt des Studienganges und kritisierten die mangelnde Nachhaltigkeit der Bremer Bildungspolitik. Die rot-grüne Landesregierung setze auf Trends und Moden. Aber auch sie stießen bei der Bildungssenatorin auf taube Ohren.